Wenn gute Absichten auf Datenschutz treffen
Es beginnt, wie so viele gute Geschichten beginnen mit Sonne, Meer und einem vollen Terminkalender. Wer im Süden Andalusiens lebt, weiß, dass nicht nur Freiwilligenarbeit oft über WhatsApp organisiert wird. Ob Kommunikation mit der Hauseigentümerverwaltung, deiner Anwaltskanzlei, oder der Beach Clean‑up und andere spontane Helferaktionen in der sonnenverwöhnten Provinz Malága – alles läuft über denselben vertrauten grünen Messenger.
Im südlichen Spanien ist das so selbstverständlich, dass man kaum darüber nachdenkt. In Deutschland, so meine Erfahrung, würde man spätestens beim Stichwort Datenschutz einen Kaffe nachbestellen.
Zwischen Alltag und Gesetz
Das Datenschutzrecht kennt diese charmante Ausnahme namens Haushaltsprivileg. Sie gilt, solange Kommunikation ausschließlich privat bleibt. Klingt simpel, ist aber nicht immer so. Sobald Vereine, Initiativen oder Organisationen WhatsApp zur Koordination nutzen, greift eben auch die DSGVO.
Ein Beispiel aus Thüringen bringt es auf den Punkt als eine firmeninterne WhatsApp‑Gruppe, die gleichzeitig privat genutzt wurde, komplett unter die DSGVO fiel. Das ist kein Drama, eher eine freundliche Erinnerung daran, wie dünn die Grenze zwischen Alltag und Amtsschimmel manchmal ist. Nachzulesen im 5. Tätigkeitsbericht zur DSGVO des TLfDI (externer Link).
Während in Deutschland die Vereinswelt inzwischen gut über datenschutzrechtliche Risiken informiert ist, sieht es in Spanien noch anders aus. Dort beraten Kanzleien und kommerzielle Anbieter oft erst dann, wenn die Aufsichtsbehörde AEPD schon mal tätig war.
Verbraucherorganisationen sprechen zwar auch über Meta und Datenschutz allgemein, doch Vereine stehen selten im Fokus. Leitfäden und Präventionskampagnen, wie sie unter anderem deutsche Landessportbünde verbreiten, gibt es so kaum. Das erklärt vielleicht, warum Diskussionen um WhatsApp erst dann entstehen, wenn der Ernstfall schon eingetreten ist.
Technik mit Beigeschmack
Um WhatsApp überhaupt sinnvoll nutzen zu können, verlangt die App Zugriff auf das gesamte Adressbuch. Und schon werden Namen und Telefonnummern geteilt, auch von Leuten, die gar nichts davon wissen. Meta freut sich, Datenschützer weniger.
Für Initiativen mit vielen Freiwilligen ist das ein stilles Risiko. Jede neue Person bringt automatisch fremde Kontaktdaten mit, ohne es überhaupt zu merken.
WhatsApp, Sonne und gutes Timing
In Spanien geht es trotzdem wunderbar pragmatisch zu. Strandaktionen, Müllsammeln, Equipment koordinieren geht flott über WhatsApp. Niemand verliert Zeit mit komplizierten Tools. Man könnte sagen, es funktioniert erstaunlich gut. Bis man den Datenschutz betrachtet.
In Deutschland wäre dieselbe Gruppe längst auf Signal oder Threema oder andere europäische Tools mit besserer DSGVO-Konformität umgestiegen.
Schrittweise Veränderung
Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen. Wenn WhatsApp verwendet wird, und meist gibt es dafür eben auch wichtige Gründe, sollte das bewusst und transparent geschehen. Mitglieder sollten freiwillig teilnehmen und wissen, dass ihre Telefonnummern sichtbar sind. Idealerweise betreibt eine Privatperson die WhatsApp-Gruppe und nicht der Verein selbst.
Noch besser ist natürlich ein sanfter Wechsel zu Alternativen. Signal, Threema, Element oder Wire bieten alle praktischen Vorteile, nur mit einer Extraportion Privatsphäre. Der Umstieg ist anfangs zäh, doch Gewohnheiten lassen sich ändern. Und manchmal genügt ein Anfang, um Bewegung in die Sache zu bringen.
WhatsApp ist in Spanien wie in Deutschland allgegenwärtig und hat die Art verändert, wie wir uns organisieren und vernetzen. Doch gerade bei gemeinnützigen Initiativen, Vereinen und Freiwilligenprojekten sollten wir uns bewusst machen, dass die DSGVO greift, sobald die Kommunikation organisatorischen Charakter annimmt, unabhängig davon, wie gut die Absichten sind.
In Sachen Datenschutz und Cybersicherheit erleben wir täglich die Spannung zwischen praktischer Notwendigkeit und rechtlicher Anforderung. Unsere Erfahrung aus beiden Ländern zeigt, dass es möglich ist, beides zu vereinen. Es erfordert nur ein bisschen Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, auch in der digitalen Kommunikation neue Wege zu gehen.
Hinweis: Für individuelle Fälle kann eine Beratung im konkreten Kontext sinnvoll sein.
WhatsApp ist zweifellos ein Erfolgsmodell und ein Segen für den Alltag vieler. Doch sobald eine Idee organisiert wird, eine Initiative wächst oder ein Verein sich digital vernetzt, lohnt sich der zweite Blick.
Datenschutz muss kein Stimmungskiller sein. Im Gegenteil! Datenschutz zeigt, dass Engagement auch im Netz respektvoll und vorausschauend funktioniert.
Denn am Ende geht es um das, was überall zählt, nämlich Vertrauen. Und das ist, ganz gleich ob unter spanischer Sonne oder deutscher Wolkendecke, die Grundlage jeder guten Zusammenarbeit.
Sprecht offen über Datenschutz, damit Engagement auch digital sicher bleibt!
Quellen
5. Tätigkeitsbericht des TLfDI